Executive Summary
Ein generelles Rauchverbot während der Arbeitszeit erweist sich oft als unzureichende Lösung.
Dieser Artikel beleuchtet, warum vor allem Führung und Kultur die Hauptursachen sind, und bietet Lösungsansätze für Geschäftsführer:innen von mittelständischen Unternehmen und Konzernbereichen.
Rauchverbot während der Arbeitszeit: die richtige Lösung?
Als Geschäftsführer:in eines mittelständischen Unternehmens oder eines Konzernbereichs könnten Sie mit der Forderung nach einem generellen Rauchverbot während der Arbeitszeit konfrontiert werden – oft aus dem Kreis Ihres Führungsteams.
In diesem Blog beleuchte ich die Gründe dahinter und stelle meine Gedanken dazu sowie Lösungsansätze vor.
Eine typische Situation
Im Senior Leadership Team kommt das Thema auf, über die Einführung eines generellen Rauchverbots während der Arbeitszeit zu entscheiden. Als Begründung wird dann oft die Produktivität genannt.
Studien zeigen jedoch, dass Pausen, wie Raucherpausen, positiven Einfluss auf Produktivität, Qualität und sogar auf Innovation und kreative Lösungsfindung haben. Als Nächstes wird dann eine übermäßige Abwesenheit (in der Regel von Einzelnen) und die daraus folgende Unruhe im Team ins Feld geführt.
In den Fällen, in denen ich als Berater anwesend bin, hake ich nach, was diesbezüglich bereits unternommen wurde. Darauf kommt in letzter Zeit öfter die Aussage: „Ja, ansprechen darf man das ja nicht, sonst macht er/sie am nächsten Tag krank oder ich werde bei der nächsten Mitarbeiterbefragung als Vorgesetzter abgestraft.“
Hintergründe: vier mögliche Ursachen
Die Ursachen für eine solche Situation können natürlich mannigfaltig sein und sind oft komplex. Aus meiner Erfahrung sind die folgenden vier jedoch vielversprechende Ansatzpunkte.
1. Führungsverhalten
Mangelnde Führung ist ein Schlüsselaspekt. In modernen Unternehmen sind oft Teams für Arbeitsweisen und Zusammenarbeit verantwortlich, nicht nur die offiziellen Führungskräfte. Führung – und dazu gehört auch das Führen kritischer Gespräche – ist daher auf allen Ebenen relevant. Leider wird das von vielen Teams nicht wirklich wahrgenommen, und es entsteht ein Führungsvakuum.
In traditioneller aufgestellten Unternehmen wird weiterhin erwartet, dass Führungskräfte die Spielregeln durchsetzen. Aufgrund eines falschen Führungsverständnisses, der Angst, in Mitarbeiterbefragungen schlecht abzuschneiden, oder der sich verschärfenden Herausforderung, qualifizierte Mitarbeitende zu finden, scheuen sich mittlerweile immer mehr Führungskräfte, Klartext zu reden.
Engagierte Mitarbeiter:innen erwarten das jedoch. Untätigkeit in dieser Beziehung kann daher zu Frustration bis hin zur Abwanderung führen – vor allem der engagierten Mitarbeitenden.
2. Suboptimale Organisationskultur
Die Organisationskultur prägt Verhaltensweisen. Daher können unbewusste Regeln existieren, die Rauchende bevorzugen – zum Beispiel, weil der/die Gründer:in oder Geschäftsführer:in ebenfalls raucht.
Umgekehrt kann eine informelle Regel in der Organisation lauten, dass es in Ordnung ist, Rauchende als Sündenböcke für Produktivitätsprobleme zu nutzen.
3. Strukturelle oder systembedingte Gründe
In vielen Organisationen sehen Abläufe und Systeme nicht explizit vor, dass mit Mitarbeitenden regelmäßig neben der eigentlichen Leistung auch über weiche Faktoren gesprochen wird – etwa über Teamfähigkeit, die Vorbildrolle oder das Vorleben der Unternehmenswerte.
4. Personenbedingte Gründe
Zu guter Letzt könnten auch personenbedingte Gründe eine Rolle spielen. Beispiele wären ein Gefühl der Unausgeglichenheit von Geben und Nehmen oder ein generelles Problem mit Hierarchien, das in der Vergangenheit des/der Mitarbeitenden begründet liegen könnte.
Lösungsansätze statt Rauchverbot
Statt der Forderung nach einem generellen Rauchverbot rasch nachzukommen, sollten Sie die Ursachen analysieren und gezielte Maßnahmen treffen.
So beugen Sie einer weiteren Erhöhung der Bürokratie vor, die zu oft versucht, auf Kosten vieler „Unschuldiger“ die Unzulänglichkeiten Einzelner auszugleichen – die vielleicht sogar nicht ideal für Ihre Organisation sind.
Was wären also zielführendere Lösungsansätze?
Stärkung der Führung
Teams und Führungskräfte müssen befähigt werden, kritische Gespräche zu führen. Coachings und Trainings können dabei helfen.
Kulturwandel
Eine aktive Gestaltung der Unternehmenskultur fördert Offenheit und Verantwortung und stellt sicher, dass alle wissen, worauf es ankommt.
Strukturoptimierung
Klare Kommunikationswege und Feedback-Schleifen, die auch „weiche Faktoren“ wie Teamfähigkeit oder das Vorleben der Firmenwerte enthalten, sind notwendig, um Konflikte zu vermeiden und Missverständnissen vorzubeugen.
Individuelle Lösungen
Bei personenbedingten Gründen sind Gespräche oder individuelles Coaching angebracht, um Verständnis zu schaffen oder gegebenenfalls Trennungen zu erwägen.
Fazit: Ursachen verstehen statt Verbote aussprechen
Die Debatte um das Rauchverbot während der Arbeitszeit zeigt, dass scheinbar einfache Lösungen oft nicht die gewünschten Ergebnisse bringen.
Geschäftsführer:innen sollten die zugrunde liegenden Ursachen verstehen und gezielte Maßnahmen ergreifen, um Führung, Kommunikation und Unternehmenskultur zu stärken. Das führt langfristig zu einer gesünderen Organisation und einer produktiveren Arbeitsumgebung.















































